Falsch gerechnet: 300.000 Krippenplätze fehlen

drei Kleinkinder in Buggys

8. August 2017 / Comments (0)

Allgemein News

In Baden-Württemberg haben 13,8 Prozent der Eltern, die für ihre unter dreijährigen Kinder einen Betreuungsplatz suchen, Pech: Ihre Kommune lässt sie im Regen stehen – obwohl ihr Kind einen Rechtsanspruch hat. Denn noch immer fehlen im Südwesten für 41.165 Jungen und Mädchen unter drei Jahren entsprechende Plätze in Kitas oder Kindertagespflege. Bundesweit sind es sogar rund 300.000 Plätze. Das ermittelte das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus Daten des Bundesfamilienministeriums.

Nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab Vollendung ihres ersten Lebensjahrs Mitte 2013 schien der Kraftakt zunächst gemeistert und der Krippen-Ausbau bewältigt. Doch der Bedarf ist größer als gedacht. Mehr Mütter (und Väter) als erwartet möchten früh wieder in den Beruf zurückkehren, Paare bekommen mehr Kinder als prognostiziert und auch die Zuwanderung trägt dazu bei, die Bedarfs-Vorhersagen Lügen zu strafen.

Kampf um Krippenplätze

Zum Symbol für den Krippenplatz-Mangel wurde ausgerechtet Leipzig. Obwohl in Sachsen die Krippenlücke statistisch mit 5,6 Prozent oder 6.164 Plätzen klein ist, standen in der Großstadt Mitte Mai 2017 450 Eltern Schlange, um sich in einer Kita, die bald eröffnen sollte, für einen der 45 Krippen- und 120-Kita-Plätze zu bewerben. Fotos des Massenauflaufs kursierten in den Medien und wurden zum Sinnbild für den Kita-Engpass.

Kommunen untätig?

IW-Experte Dr. Wido Geis fordere die Politik auf, aktiv zu werden, heißt es auf www.sueddeutsche.de, der Internetausgabe der Süddeutschen Zeitung. „Seit dem Rechtsanspruch auf einen Platz für unter Dreijährige hat der Ausbau offenbar nicht mehr die höchste Priorität bei den Kommunen“, zitiert die Redaktion den Experten.

Bauplätze und Fachpersonal fehlen

Unerwähnt bleiben in diesem Bericht die Hürden, die den weiteren Ausbau der Infrastruktur erschweren: Zum einen sind passende Bauplätze und Immobilien in den Metropolen Mangelware, zum anderen können vielerorts Einrichtungen nicht oder nur teilweise öffnen, weil das nötigen Fachpersonal fehlt.

Appell für mehr Betriebskitas

Unternehmen sollte einspringen und vermehrt in betriebliche Kinderbetreuungsangebote investieren, schlägt Anna Fischhaber in einem Kommentar auf www.sueddeutsche.de vor. Den Staat bezeichnet Fischhaber als überfordert und die betroffenen Eltern als erschöpft. Die Privatwirtschaft komme angesichts dessen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nach, findet die Autorin. Dabei lohne sich der Invest in die Bildung und Betreuung der Jüngsten für die Unternehmen durchaus. Sie hielten so zum Beispiel in Zeiten des Fachkräftemangels ihre gut ausgebildeten Kräfte „bei der Stange“ und erhöhten ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Bislang seien jedoch nur 1,2 Prozent aller Kitas betrieblich.

Räume oder Baugrund oft vorhanden

Mehr Betriebskitas: Dieser Vorschlag erscheint noch aus anderen Gründen charmant. Denn oft besitzen Betriebe in bestehenden Immobilien die nötigen Räumlichkeiten für eine Kita oder Großtagespflegestelle. Oder sie haben Platz auf ihrem Gelände, den sie entsprechend bebauen können. Damit ist eine wichtige Hürde für eine neue Einrichtung genommen.

Beratung für Unternehmen

Unternehmen, die planen, eigene Kinderbetreuungsangebote aufzubauen, können sich gerne an den VFUKS bzw. die dort organisierten Träger wenden.

 

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