Gesunde Ernährung in der Kita!?

Zwei Jungen essen Gemüse in der Kita

4. Juli 2017 / Comments (0)

Allgemein News

Ist die Einrichtung eines Bundesprogramms zur Kita- und Schulverpflegung nötig, das die kostenfreie Versorgung aller Kinder in Ganztagsbetreuung mit gesundem und schmackhaftem Essen sicherstellen würde? Der Bundestag meint „nein“ und setzt auf Freiwilligkeit. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert, die Einhaltung der Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung in Kitas und Schulen verpflichtend zu machen. In Baden-Württemberg unterstützt eine DGE-Vernetzungsstelle bei der Einführung gesunden Kita-Essens.

Am 18. Mai 2017 lehnte der Bundestag einen Antrag der Fraktion „Die Linke“ ab, die die Einrichtung eines Bundesprogramms zur Kita- und Schulverpflegung gefordert hatte. Die Linksfraktion schlägt vor, allen Kindern und Jugendlichen in ganztägigen Kindertagesstätten, allgemeinbildenden Schulen, Horten und in der Kindertagespflege eine „beitragsfreie, altersgerechte, abwechslungsreiche und ansprechende Essensversorgung“ zu bieten. Dafür solle der Bund 4,50 Euro pro Tag und Kind zur Verfügung stellen. Die Forderung sei „überzogen, unpraktikabel, teuer und gegenüber den Bürgern entmündigend und überdies nicht mit geltendem Verfassungsrecht vereinbar sind“, sagte Carola Stauche (CDU/CSU).

Eltern sollen „Dampf machen“

Gleichwohl herrscht Einigkeit darüber, dass es in Bezug auf die Essensversorgung von Kindern in Ganztagseinrichtungen Verbesserungsbedarf gibt. Die Bundesregierung setzt bislang auf Freiwilligkeit und möchte Eltern mobilisieren, sich für besseres Essen in Krippen, Kitas, Horten und Ganztagsschulen einzusetzen. Dazu startete das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Programm „Macht Dampf! – Für gutes Essen in Kita und Schule“. Auf der Kampagnen-Website gibt es Information darüber, was ein gutes Kinderessen ausmacht, wie sich Eltern dafür engagieren können und was Träger wissen sollten. Grundlage der Empfehlungen sind die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung in Kitas und Schulen.

DGE-Qualitätsstandards vielfach unbekannt

Dass Aufklärung darüber Not tut, zeigte eine In-Form-Studie im Auftrag des BMEL von 2016: Erst 29,6 Prozent der Kitas berücksichtigen den DGE-Qualitätsstandard als Basis für ihr Mittagessen. Über 45 Prozent der Einrichtungen geben an, keine externen Standards für die Essensversorgung zu kennen.

„Umsetzung muss Pflicht sein!“

Freiwilligkeit alleine genüge daher nicht, sagt das Deutsche Kinderhilfswerk in einer Pressemitteilung vom 18. Mai 2017 und fordert die bundesweit verbindliche Einführung der DGE-Qualitätsstandards. „Es muss endlich Schluss sein mit zerkochtem Gemüse, trockenen Kartoffeln und billigen Fertigsoßen. Besonders wichtig ist es auch, die Kita-Kinder bzw. die Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen. Deren Phantasie und Kreativität bleiben vielfach fast völlig ungenutzt“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. Die Interessenvertretung für ein kinderfreundliches Deutschland warnt außerdem davor, an der falschen Stelle zu sparen: „Wer in der Kindheit nicht erfährt und erlebt, was gesunde Ernährung ist und dass sie gut schmeckt, wird dies im Erwachsenenalter kaum nachholen können. Insofern ist eine gesunde Ernährung auch eine Grundsteinlegung für ein gesundes Leben“, heißt es in der Presse-Mitteilung.

VFUKS-Träger vorbildlich

Der VFUKS-Träger Konzept-e geht mit gutem Beispiel voran: Er entwickelte ein eigenes Ernährungskonzept und in den Einrichtungen bereitet ein Koch oder eine Köchin alle Mahlzeiten nach den DGE-Standards täglich frisch in der Kita-Küche zu. Die Kita-Zeitschriften kinderleicht!? und  KiTa aktuell berichteten bereits darüber.

Vernetzungsstelle unterstützt

Baden-württembergische Kindertagesstätten, die ihre Verpflegung verändern und den Standards anpassen möchten, bekommen Unterstützung bei der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg, die beim Landesverband der DGE angesiedelt ist.

Links:

Foto: Oksana Kuzmina/Fotolia.com