Gewünscht: Mehr Männer in Kitas

Mann mit Pappkarton über dem Kopf, auf den ein freundlich zwinkerndes Gesicht gemalt ist

19. Februar 2019 / Comments (0)

Allgemein News

Mehr als drei Viertel der für eine neue Studie befragten Eltern sagen: “Wir brauchen (viel) mehr männliche Fachkräfte für die Kinderbetreuung.” Unter den Erzieherinnen und Erziehern sowie Kita-Leitungskräften, die an der Umfrage teilnahmen, befürworten das sogar über 98 Prozent. Die Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ legte diese Studienergebnisse Anfang Februar 2019 vor.

Die Studie

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) startete 2008 die Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“ (veröffentlicht 2010). Eine neue Untersuchung sollte jetzt zeigen, wie sich die Situation für männliche Fachkräfte in Kitas nach rund zehn Jahren verändert hat. Zum Themenspektrum gehörten die Eigen- und Fremderwartungen an die pädagogischen Kompetenzen der Fachkräfte, deren berufliches Wohlgefühl, die Bedeutung von Kitas für die Berufstätigkeit von Eltern, die Einstellungen zu männlichen Fachkräften sowie weitere, auch gleichstellungspolitische, Fragestellungen. Neu ist, dass diese Studie auch die Milieustruktur erfasst, der die befragten Mütter und Väter bzw. Fachkräfte zuzuordnen sind.

Autor der Repräsentativerhebung ist Prof. Dr. Carsten Wippermann vom DELTA-Institut für Sozial- und Ökologieforschung. Das BMFSFJ übernahm die Finanzierung.

An der Befragung nahmen Mütter und Väter teil, deren null- bis sechsjährige Kinder aktuell eine Kita besuchen, sowie männliche und weibliche pädagogische Kita-Fachkräfte mit und ohne Leitungsfunktion. Die Erhebung der Daten fand von Mai bis August 2017 statt.

Einige Ergebnisse

Der Autor stellt fest, dass sich im Vergleich zum Jahr 2009 der Männeranteil am Kita-Fachpersonal zwar mehr als verdoppelt habe; dennoch liege er erst bei fünf Prozent. Das ist weit entfernt von dem 20-Prozent-Ziel, das die EU bereits 1996 für den Männeranteil in Kitas formulierte.

Angesichts dieser Kluft zwischen dem eingangs genannten Wunsch nach mehr Männern in der Kinderbetreuung und der Realität im Kita-Alltag verwundert es nicht, dass fast zwei Drittel der Eltern die Politik in der Verantwortung sehen, mehr männliche Fachkräfte zu gewinnen. Ein Drittel der Mütter und Väter macht sich zwar Gedanken über möglichen Missbrauch durch männliche Erzieher, doch gegenüber der Befragung von 2009 ist ihr Anteil um acht Prozent gesunken.

70 Prozent der an der Studie teilnehmenden Erzieherinnen und Erzieher sind der Auffassung, dass Kitas mit Fachkräften beiderlei Geschlechts an Attraktivität bei den Eltern gewinnen. Sie sind sogar zu über 90 Prozent der Meinung, dass sowohl Jungen als auch Mädchen von der Betreuung durch männliche Erzieher profitieren können – so wie auch die gesamte pädagogische Arbeit in der Kita. Dementsprechend bemühen sich immer mehr Einrichtungen aktiv um die Erhöhung ihres Männeranteils. 95 Prozent der Erzieherinnen und 97 Prozent der Erzieher sind davon überzeugt, dass Männer genauso gut für diesen Beruf geeignet sind wie Frauen.

Es fällt auf, dass 91 Prozent des befragten weiblichen Fachpersonals in unbefristeter Anstellung arbeiten; bei den männlichen Mitarbeitern dagegen hat fast ein Viertel nur einen befristeten Arbeitsvertrag.

Ein zusätzlicher Schwerpunkt der Studie liegt auf gesellschaftlichen Milieustrukturen und den Herausforderungen, die entstehen können, wenn Eltern und pädagogisches Personal aus unterschiedlichen Milieus kommen.

Weitere Forschung

Die Koordinationsstelle plant die Veröffentlichung einer zweiten Teilstudie im Sommer 2019 in der Reihe „Studien zu Differenz, Bildung und Kultur“ im Budrich Verlag: Eine nicht-standardisierte Erhebung soll aufzeigen, welche Bedeutung dem Geschlechterthema im pädagogischen Arbeitsalltag und bezüglich der Teamdynamik zukommt.

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