Kampf dem Fachkräftemangel

Schilder: Erzieher und Erzieherinnen dringend gesucht!

22. Januar 2019 / Comments (0)

Allgemein News

2018 gab es in Deutschland so viele Kita-Beschäftigte wie nie zuvor. Im Vergleich zu 2017 stieg ihre Anzahl um 31.000 oder fünf Prozent. Bezogen auf das Jahr 2006 wurden sogar 300.000 neue Stellen geschaffen, vor allem aufgrund des U3-Ausbaus. Dennoch fehlt in vielen Einrichtungen qualifiziertes Personal, unter anderem, weil Nachwuchskräfte das Arbeitsfeld früh wieder verlassen oder eine Ausbildung aus finanziellen Gründen abbrechen bzw. gar nicht erst beginnen. Mit einem neuen Programm will der Bund gegensteuern. Ab Februar 2019 können Kita-Träger Mittel aus diesem Bundesprogramm beantragen.

Bedarf nicht gedeckt

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) hat die oben genannten Zahlen im Oktober 2018 im „Fachkräftebarometer Frühe Bildung“ veröffentlicht. Die Ergebnisse basieren auf einer schriftlichen Befragung von über 1.400 Kitas von Dezember 2017 bis Mai 2018.

Im Jahr 2017 nahmen demnach ein Drittel der Kinder unter drei Jahren Kita-Betreuung in Anspruch, doch laut einer Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) wünschten sich 45 Prozent der Eltern einen Kita-Platz für ihr Kind in dieser Altersgruppe. Der Bedarf ist also nicht gedeckt, und laut Fachkräftebarometer bewerten es etwa 90 Prozent aller befragten Kitas als schwierig oder eher schwierig, pädagogisches Personal zu finden. Zudem fehle es wegen des Personalmangels an Zeit für die Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte.

Nachwuchskräfte bleiben nicht

Um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen, kommt der Ausbildung von Nachwuchskräften eine entscheidende Bedeutung zu. Doch was geschieht nach deren Berufsabschluss? Diese Frage untersuchte die WiFF in einem weiteren Projekt mit dem Thema „Übergang von fachschul- und hochschulausgebildeten Fachkräften in den Arbeitsmarkt“. Die Studie begleitete Erzieherinnen und Erzieher sowie Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen der Kindheitspädagogik in den ersten fünf Jahren ihres Berufseinstiegs.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass etwa 30 Prozent der Fachleute in diesem Zeitraum mindestens einmal die Stelle gewechselt haben. Fast ein Viertel der Nachwuchskräfte verließen in den ersten fünf Jahren nach dem Berufsstart das Arbeitsfeld Kita sogar ganz, besonders solche, die eine akademischen Ausbildung absolviert hatten. Als Gründe nennt die Studie Stellenbefristungen, niedrige Löhne, mangelnde Karrierewege oder fehlende Einarbeitung. Besonders Konflikte im Team oder mit der Leitung führen dazu, dass Nachwuchskräfte ihre Stelle und damit oftmals das Arbeitsfeld verlassen. Die Verfasserinnen und Verfasser der Studie empfehlen daher den Trägern wie auch der Politik, Teamentwicklung und Teambildung in den Fokus zu rücken.

Fachkräfteoffensive des Bundes

Um die Attraktivität des Erzieherinnen- und Erzieherberufes während und nach der Ausbildung zu erhöhen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Dezember 2018 ein neues Programm vorgestellt. Da angehende Erzieherinnen und Erzieher in den ersten beiden Fachschuljahren in der Regel keine Vergütung erhalten und vielerorts darüber hinaus Schulgeld zahlen müssen, sollen 5.000 Plätze in der praxisorientierten, von Beginn an bezahlten Ausbildung mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Ferner sind Zuschüsse vorgesehen für Qualifikationen und Freistellungen von Fachkräften für die Praxisanleitung sowie zur Vergütung bei höherer Qualifikation und Übernahme besonders verantwortungsvoller Aufgaben. Für diese Offensive wird der Bund bis zum Jahr 2022 den Ländern 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen – zusätzlich zu den Mitteln aus dem kürzlich verabschiedeten „Gute-Kita-Gesetz“. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßt dies als „guten Anfang“, kritisiert aber, dass die Fachkräfteoffensive viel zu spät komme.

Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen können die Mittel aus dem Bundesprogramm über ein Onlineverfahren beantragen. Das Interessenbekundungsverfahren soll im Februar 2019 starten. Informationen dazu finden sich dann auf der Internetseite “Frühe Chancen” des BMFSFJ.

Personalentwicklung in Kitas: Publikation gibt Impulse

Eine weitere Veröffentlichung der WiFF aus dem Jahr 2018 befasst sich mit dem Personalmanagement in Kitas. Die Studie beschreibt die Rollen, Ziele, Konzepte und Vorgehensweisen, die unterschiedliche Träger bei ihrer Personalentwicklung nutzen. Leserinnen und Leser können mögliche Maßnahmen für die Personalentwicklung in den eigenen Einrichtungen ableiten und damit einer Abwanderung von Beschäftigten entgegenwirken.

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