Bildungsintegration eröffnet Wege aus der Armut

drei Kinder spielen auf dem Boden in der Kita ein Mosaikspiel

15. August 2017 / Comments (0)

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Die Kinderarmut in Deutschland steigt wieder. 2016 lebten 20,3 Prozent der Minderjährigen oder 2,7 Millionen Kinder in Armut. Der Anstieg um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sei auf die hohe Zahl junger Flüchtlinge zurückzuführen, schreiben Dr. Eric Seils und Jutta Höhne vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in ihrem Anfang August 2017 veröffentlichten WSI-Policy Brief “Armut und Einwanderung”. Das Deutsche Kinderhilfswerk nahm Stellung und forderte, zugewanderte Kinder und Jugendliche besser und schneller in Kitas und Schulen zu integrieren, um Armutsbiografien zu vermeiden.

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes sagt, es sei an der Zeit, dass sich die positive wirtschaftliche Lage in Deutschland endlich auf die Situation armer Kinder und Jugendlicher auswirke. “Zudem ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern erforderlich, um wirksame Konzepte gegen die zu große Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft auf den Weg zu bringen”, fordert er.

Kitas und Schulen gut zugänglich machen

Zentrale Erfolgsfaktoren für die Integration zugewanderter Kinder und Jugendlicher sind aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerks das schnelle Erlernen der deutschen Sprache und eine gute Bildungsintegration. Kindertageseinrichtungen und Schulen müssen für die Kinder und ihre Familien gut zugänglich sein. Das heißt: Die Kinder sollten sie von ihrem Wohnort aus schnell und sicher erreichen können. Außerdem dürfen den Familien keine hohen Kosten z.B. für Lernmittel oder Fahrten entstehen.

Bildungseinrichtungen besser ausstatten

“Gute Bildung schon für Kita-Kinder befördert die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft und gleicht herkunftsbedingte sowie soziale Unterschiede am besten aus”, schreibt die Organisation in ihrer Pressemitteilung weiter. Dafür müssen die Bildungseinrichtungen finanziell so ausgestattet sein, dass sie den zusätzlichen Herausforderungen gewachsen sind und etwa ausreichend Personal einstellen sowie notwendige Fortbildungen anbieten können.

Eltern Zugänge zum Arbeitsmarkt eröffnen

Die WSI-Fachleute leiten arbeitsmarktpolitische Forderungen aus ihren Auswertungen ab. In ihrem Policy Brief schreiben sie: “Eingewanderten Eltern und insbesondere Müttern muss es möglich werden, Arbeit zu Konditionen und Löhnen zu finden, mit denen sie ihre Familien selbst über die Runden bringen können. Zugleich brauchen aber auch in Deutschland geborene Kinder einen besseren Schutz gegen Armut, denn (…) auch deren Armutsrisiko hat sich trotz Rekordbeschäftigung nur wenig verringert. Maßnahmen gegen die weit verbreitete Niedriglohnbeschäftigung kommen auch den Kindern prekär Beschäftigter zu Gute.”

Wer ist arm?

Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsschwelle 2015 bei einem verfügbaren Nettoeinkommen von weniger als 1.978 Euro im Monat. (Quelle: WSI)

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