Kinderängste verstehen

Kleiner Junge mit Schmusetuch

5. März 2019 / Comments (0)

Allgemein News

Angst gehört von Anfang an zum menschlichen Leben. Wovor fürchten sich Kinder in welchem Alter? Und wie können Erwachsene ihnen helfen? Die Zeitschrift „Kinderzeit“ publizierte auf ihrem Webportal ein Kapitel des Buches des Journalisten und Spielpädagogen Hajo Bücken, das darauf Antworten gibt.

In einem Kapitel seines Buches „Auch kleine Leute haben’s schwer“ beleuchtet Bücken Kinderängste in verschiedenen Altersstufen. Der Untertitel lautet: „Ängste und Fremdheit überwinden“ und verdeutlicht ein Ziel des Buches: potenzieller Fremdenfeindlichkeit so früh wie möglich entgegenzuwirken.

Altersabhängige Ängste

Der Autor beschreibt ängstliches Verhalten im Zusammenhang mit Entwicklungsstufen im Kindesalter. Dabei betont er, dass Kinder aus einigen Ängsten auch wieder „herauswachsen“. Beginnend im Mutterleib, wo Ungeborene bereits auf mütterliche Furcht reagieren, über das „Fremdeln“ im Alter von etwa acht Monaten und die „magische Phase“ mit etwa einem Jahr zeigt Bücken auf, wie das jeweilige Bewusstseinsstadium sich auf die Art der Ängste auswirkt. Zunehmende Selbstständigkeit und wachsendes Ich-Bewusstsein bringen ab dem Alter von etwa zwei Jahren Verlassenheitsängste ins Spiel. Auch schildert Bücken die Geburt eines Geschwisterkindes als möglichen Angstauslöser und betrachtet die Bestrafungsangst in der Trotzphase. Ab vier oder fünf Jahren können vermehrt Ängste vor Neuem, vor Beschämung, vor Verletzungen oder vor eigenen negativen Gefühlen auftreten, und später auch davor, entführt zu werden.

Verstehen und ernst nehmen

Wie ein Kind auf möglicherweise Angst machende Situationen reagiert, hängt laut Bücken nicht nur von seiner Entwicklungsphase ab, sondern beispielsweise auch von seinem Charakter, seinem Selbstvertrauen oder seiner Fantasie. Je nach Alter stärkt es die Kinder, wenn sie Sicherheit erfahren, in ihrer Selbstständigkeit gefördert werden oder durch Rollenspiele und Erklärungen Erlebnisse verarbeiten können. Besonders wichtig sei es, sagt der Autor, „dass das Kind Verständnis spürt, wenn es seine Ängste äußert, mögen sie für den Erwachsenen noch so unwichtig oder unbegründet sein“. Erziehende könnten Kindern auf diese Weise helfen, „nicht vor der eigenen Angst zu erschrecken“.

Kritik: Antiquierte Geschlechterrollenbilder

Die Lektüre des auf der Kinderzeit-Website publizierten Buch-Kapitels von Hajo Bücken kann erziehenden Erwachsenen helfen, sich typische Kinder-Ängste noch einmal bewusst zu machen, um so sensibler darauf reagieren zu können. Kritik verdient der Text insofern, als er sehr traditionelle Geschlechterrollenbilder transportiert. Mütter sind für Bücken die Sicherheit vermittelnden Bezugspersonen der Kinder. Väter spielen kaum eine Rolle. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet, dass der Autor (Jahrgang 1944) einer Generation angehört, in der die Aufgaben in Haushalt und Familie klar geschlechtsspezifisch aufgeteilt waren.

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Foto: Sharon McCutcheon/unsplash.com