Kita-Leitungen unter Druck

Junge Frau erschöpft am Schreibtisch mit Papierkram

3. Juli 2019 / Comments (0)

Allgemein News

Dass der Fachkräftemangel Kita-Leitungen vor große Probleme stellt, ist nicht neu. Doch dass die Personalnot immer gravierendere Auswirkungen zeigt, beweisen die Ergebnisse einer neuen, auf dem Deutschen Kita-Leitungskongress DKLK vorgestellten Umfrage.

Es ist bereits die fünfte repräsentative DKLK-Studie, die der Informationsdienstleister Wolters Kluwer durchgeführt hat – in Kooperation mit dem Verband Bildung und Erziehung VBE sowie dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV. In diesem Jahr trägt sie den Titel „Kita-Leitung in Zeiten des Fachkräftemangels“. Die wissenschaftliche Begleitung übernahm Prof. Dr. Ralf Haderlein von der Hochschule Koblenz.

Ergebnisse

Die Studie dokumentiert, dass Personalmangel in deutschen Kitas mittlerweile zum Alltag gehört: Von den über 2.600 befragten Kita-Leitungen gaben 90 Prozent an, dass in ihrer Kita in den letzten zwölf Monaten zeitweise Personalunterdeckung bestand. Das bedeutete für 86 Prozent der betroffenen Kitas, dass sie ihr Angebote für die Kinder zumindest vorübergehend reduzieren mussten.

Kaum mehr als fünf Prozent der befragten Kitas können die wissenschaftlich empfohlenen Mindeststandards für die Fachkraft-Kind-Relation einhalten. Dies wirkt sich nicht nur auf die Quantität, sondern auch auf die Qualität der Betreuung negativ aus. Beispielsweise geben die Kita-Leitungen an, dass sie vorübergehend Angebote reduzieren, Gruppen vergrößern oder sogar zeitweise Gruppen schließen mussten. Als zusätzliches Problem ergibt sich ein erhöhtes Haftungsrisiko für die Träger und Leitungen von Kitas, wenn aufgrund des Personalmangels keine adäquate Beaufsichtigung möglich ist.

Die Befragung verdeutlicht ferner die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen: Drei von zehn Kitas benötigten mindestens fünf Monate, um eine Position zu besetzen, bei 70 Prozent der Kitas dauerte es im Durchschnitt über drei Monate.

Mehr als zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie beklagen zudem, dass die Belastung durch Verwaltungsaufgaben nicht ab-, sondern zugenommen habe – entgegen früherer Zusagen seitens Politik und Trägern. Auch in Bezug auf Wertschätzung durch Gesellschaft und Politik zeigen sich 80 Prozent der Kita-Leitungen wie auch in den Vorjahren enttäuscht. Ihre Bezahlung empfinden zwei Drittel angesichts ihres umfangreichen Aufgabenprofils als unangemessen.

Forderungen des VBE

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zieht den Schluss, dass Mangelverwaltung zur Normalität geworden sei. Die Rolle der Politik sieht er kritisch: „Durch ihr Handeln beziehungsweise Nicht-Handeln nimmt die Politik einen erheblichen Schaden der Kinder, der im Kita-Bereich engagierten Personen und unserer Gesellschaft insgesamt in Kauf – und dies seit Jahren.“

Der VBE leitet aus den Umfrageergebnissen unter anderem Forderungen ab nach Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation, nach substanziellen Lohnsteigerungen sowie Entlastung bei Verwaltungsaufgaben für Kita-Leitungen. Die Bundesmittel aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ sieht Udo Beckmann dabei nicht als zufriedenstellende Antwort: „Was wir brauchen, sind nachhaltige Lösungen und deutlich höhere, langfristige Investitionen.“

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